Sonntag, 10. Januar 2010

Schnee

Da sind wir wohl vor dem vielen Schnee in Germany geflohen. Hier schneit es tagsüber auch immer ein wenig, aber es bleibt nicht wirklich was liegen.
Heute sind wir nach dem Frühstück frohen Mutes mit dem Taxi in die Computerstreet gefahren. Wir wußten was wir wollten - ein HDMI-Kabel und eine externe Festplatte -, aber wir wußten nicht was auf uns zukommt. An die Taxifahrten haben wir uns ja gewöhnt, oder besser wir haben uns damit abgefunden. Für deutsche Verhältnisse ist es total chaotisch. Spuren und Blinker kennen sie gar nicht. Das einzig wichtige Instrument im Auto ist die Hupe. Und die Chinesen hupen unentwegt. Wenn nichts mehr geht, dann hupen sie einfach alle. Als ob das die Situation besser macht. Bei mir löst das sofort Streß-Hormone aus. Und so kamen wir auch in der Computerstreet an. Wir gingen gleich ins erste große (sehr große) Geschäft. Das kann ich gar nicht mit Worten beschreiben. Alle, wirklich alle Chinesen, die uns sehen konnten, schauten uns an. Ich kam mir vor wie im Zoo. Sie stellten sich auch direkt vor den Buggy und starten Lisa an. Sie machten Späße, wollten sie anfassen und Fotos von ihr machen. Die Hölle. Da wird man als Mutter zur Bestie. Mein Puls ging auf 200. Ich hätte am liebsten laut geschrien, dass sie mich alle in Ruhe lassen sollen. Auf jeden Fall habe ich versucht die ganze Sache mit Humor zu nehmen, ein Lied zu singen und die Dinge auf mich wirken zu lassen. Wir haben wirklich alles in diesem unsortierten, chaotischen Laden gefunden. Na ja, chaotisch kann man nicht direkt sagen. Auf einer Etage gab es Laptops und Zubehör, auf der nächsten Etage Drucker und Zubehör, dann Handys usw. usw. In der Spielkonsolen-Abteilung haben wir wenigstens bei einem ein bißchen Englischsprechenden Chinesen das HDMI-Kabel kaufen können. An der Festplatte sind wir gescheitert. Wir werden es am nächsten Wochenende nochmal probieren. Vorher werden wir uns aber von der Rezeption die Übersetzung aufschreiben lassen. Das hilft.
Nach der Erfahrung mussten wir erstmal heim und uns ausruhen. Wir haben uns Essen aufs Zimmer bestellt und gemütlich gegessen. Lisa hat Spagetthi Bolognese bekommen und endlich mal richtig gegessen. Sie kränkelt ein bißchen, hat Fieber und keinen Appetit.
Nachmittags sind wir nochmal in den großen französischen Supermarkt gefahren. Dort haben wir Windeln gekauft. Es gibt wirklich alles für die Kleinen.
Kinder sind hier wirklich die großen Sensationen. Von der Kinderfreundlichkeit hier im Land kann sich Deutschland echt eine riesen Scheibe abschneiden. Wenn Lisa irgendwo hin läuft, ist immer ein Kellner hinterher und passt auf, dass ihr nichts passiert. Wenn sie laut ist, schreit und bockt, schaut keiner genervt um die Ecke. Ganz im Gegenteil, sie kommen und wollen die Kleine aufmuntern. Das ist wirklich super. Das ist auch eine der schönen Seiten hier. Mir fällt es sehr schwer mit der Masse an Menschen zu leben. Es sind so viel, überall so viele, auf der Straße, in den Geschäften und Lokalen. Und überall werden wir angestarrt. Sie machen sich überhaupt nichts daraus.
Morgen müssen wir alle zum ersten Mal richtig in den Alltag raus. Lisa muss in den Kindergarten und ich ins Büro. Markus kennt es ja schon. Er fährt mit Lisa morgen noch in den Kindergarten und ich fahre mit einem Kollegen ins Werk. Ich glaube, wir sind alle gespannt wie es wird. Ich werde berichten.
Bitte entschuldigt, dass es noch keine Fotos gibt. Ich hatte heute den Apparat einstecken, aber war mit der Situation so überfordert, dass ich nicht zum Fotografieren gekommen bin. Ich gelobe Besserung. Das wird schon.
Und nein, ich kann noch nicht sagen, wie ich es hier finde. Es ist einfach zu "Anders". Da braucht man ein bißchen mehr Zeit, um sich zu finden.

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