Sonntag, 3. Oktober 2010

Dies und jenes der letzten Tage

Wo fange ich an und wo höre ich auf? Ich schiebe gerade einen ganz schönen Chinafrust vor mir her. Im Moment sind alle gegen uns. Es fing alles mit den Typen von der relocation Firma an. Der kam letzten Freitag ins Büro und wollte unsere Unterlagen für die Entzollung unseres Containers abholen. Die Teamassistentin vom Werksleiter hatte diese Dokumente alle vorbereitet, aber war am Freitag leider nicht im Büro. Es gab natürlich auch keine Vertretung und das Büro war abgeschlossen. Ich war dem ersten Heulkrampf nahe. Dann haben wir das ganze Büro verrückt gemacht. Eine nette Assistentin wollte sogar einen Stempel für uns fälschen. Finde ich ja sehr nett, aber sagt auch alles über diese wahnsinnige Stempelkultur hier aus. Man könnte hier wirklich die Wirtschaft lahm legen, wenn es keine rote Stempelfarbe mehr in China gibt. Und das meine ich ernst. Über mehrere Abteilungen hinweg haben wir es dann endlich geschafft jemanden zu finden, der einen Schlüssel zum Büro des Werksleiters hatte und das Büro aufschloss. Unsere Unterlagen lagen ganz oben und mit viel Stolz übergaben wir sie diesem Typen. Was machte der? Er holte wirklich noch ein Formular heraus und sagte, hier bräuchte er auch noch einen Companystempel. Das war der Zeitpunkt an dem ich gehen musste. Ich hätte dort sonst jemanden umgebracht. Einen Companystempel? Was glaubt er was das ist? Das ist das Hochheiligste in diesem Unternehmen. Erstens darf nicht jeder damit stempeln. Dafür muss man in diese erlauchte Riege aufgenommen werden. Dann gibt es feste Stempelzeiten und man muss auch noch für jedes gestempelte Dokument ein Formular ausfüllen. Ich bin mir gerade nicht sicher, ob das auch abgestempelt werden muss. Aber bestimmt. Na ja, es ist wie es ist. Unser Container bleibt noch ein bißchen länger im Containerhafen stehen und wir bleiben noch ein bißchen länger im Hotel wohnen *heul*


Aus lauter Frust, werden wir nun morgen nach Peking fliegen und uns die Stadt anschauen. Ist ja auch nett, oder?

Letzten Samstag sollte unsere Couch geliefert werden. Markus war ab 13 Uhr in unserem leeren neuen Heim und arbeitete. Ich fuhr mit Lisa später nach. Kurz vor 17 Uhr riefen wir mal Morrison an und fragten, ob sich das Möbelhaus bei ihm gemeldet hat. Er sagte, ja vor ein paar Minuten. Unsere Couch sei nicht bei der Lieferung dabei gewesen und sie kommen heute nicht mehr. Unfassbar. Aber leider kann man es auch nicht ändern.

Am Freitagabend habe ich dem Supermarkt um die Ecke noch einen Besuch abgestattet. Dort waren gefühlt, wieder alle des Viertels einkaufen. Es war 20 Uhr, an einem Feiertag und der Laden war voll. Unglaublich. Ich hatte die Foo Fighters auf den Ohren und machte mein Ding. An der Kasse angelangt, war es kaum zu glauben. Drei Kassen für 100 Kunden. Zuerst war es noch eine Schlange und dann war es ein Pulk. Meine erste SMS an Markus war ungefähr so: „Es dauert länger. Hier ist die Hölle los und ich bin kein geübter Kassendrängler.“. Die zweite SMS war „Die Foo Fighters retten hier einigen Chinesen das Leben und bewahren mich vor dem Knast ;-)“. Die dritte SMS „Böse gucken bei meiner Größe, scheint doch zu wirken.“. Und das Ende der Geschichte…ich habe ungefähr 20 Minuten an der Kasse gestanden - Ich glaube beim Marktkauf bekommt man dafür 5 Euro, oder? – und alle Chinesen leben noch.

Ach, und zu guter Letzt. Mein Pass ist auch wieder aufgetaucht. Der lag an der Hotelrezeption und sie haben sich einfach mal nicht verantwortlich gefühlt mir mal Bescheid zu geben. So ist das eben. Ruhe und Gelassenheit braucht man in diesem Land mit seinen Bewohnern.

1 Kommentar:

  1. Hallo Sandra,

    Kopf hoch, nur noch 3 Wochen, dann rücken wir in Shenyang ein. Dann gehen wir mal mit Dir einkaufen;-)und falls die rote Farbe ausgeht, sag Bescheid, wir bringen noch was mit.
    Gruß
    Tommi

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